Harmonie statt Krieg und Chaos

Zur hundertsten Wiederkehr des Geburtstages des Kärntner Bildhauers Otto Eder (1924–1982)

Vor hundert Jahren, am 4. Februar 1924, wird Otto Eder in Seeboden am Millstätter See geboren. Unter den Bildhauern gehört er mit Bruno Gironcoli, Othmar Jaindl und Cornelius Kolig zu den vier Kärntner Größen. Die Erfindung von Dübelplastiken aus Kriegstrümmern und große Idole in Stein sind Otto Eders bedeutendste Werke.

Neuhaus/Sula, 31. Jänner 2024 – Frühe Figuren Eders stammen aus der Studentenzeit bei Prof. Walter Ritter in Graz. 1948 bewirbt sich Eder bei Prof. Fritz Wotruba an der Akademie der Bildenden Künste in Wien. Schon mit seiner ersten Figur, einem „Weiblichen Torso”, verdient sich der junge Steinmetz den Respekt seines Meisters. Doch die Klassik muss warten. Rund um die Akademie wird Wien wieder aufgebaut. Eder – mit 19 Jahren Soldat und mehrfach verwundet – ist selbst Opfer des Krieges. Er macht es wie die Trümmerfrauen, steckt aus Bruchstücken bombardierter Häuser und anderen dreidimensionalen Funden seine Plastiken zusammen. Eders eigenwilliger Charakter und seine „Dübelplastiken“, die radikal mit der traditionellen Bildhauerei brechen, führen zu Auseinandersetzungen mit Wotruba. Eder fliegt 1952 von der Akademie. Bemerkenswert sind Wotrubas Zeilen in Eders Zeugnis: „Ich halte ihn für einen besonders befähigten Bildhauer …“

Der Künstler
1961 hat Otto Eder seine erste Einzelausstellung in der legendären Wiener „Galerie im Griechenbeisl“. „Eder”, so urteilt die Presse, „fällt aus dem Rahmen des Üblichen”, er „hat wirklich Wesentliches zu sagen“. Durch die Kontakte des Griechenbeisl kommt Eder zu zahlreichen Ausstellungsbeteiligungen von Prag bis Zagreb und nimmt an europäischen Bildhauersymposien teil. Er erhält unter anderem den Österreichischen Staatspreis für Bildhauerei, wird Mitglied der Wiener Secession und bekommt den Professorentitel verliehen. Im 3. Wiener Gemeindebezirk gründet Eder im „Gasthaus Steffi“ einen wichtigen Stammtisch für Kärntner. 1967 hat Eder mit dem Maler Franz Grabmayr seine zweite große Ausstellung im Wiener Künstlerhaus. Der Durchbruch gelingt ihm bei seiner dritten und letzten großen Einzelausstellung 1968 in der Secession Wien, diesmal zusammen mit Adolf Frohner.

Idole der Harmonie
Neben und nach der Dübelplastik verfolgt Eder schon früh einen zweiten Ansatz. Er sucht nach Krieg, Chaos und Verwundung neue Wege und findet sie in der griechischen Klassik des 5. Jahrhunderts vor Christus. Harmonie und Einheit werden das Ideal seines bildhauerischen Arbeitens. Er erarbeitet für die Elemente Natur, Männliches und Weibliches ein alles verbindendes „Plastisches System“. Im Ei sieht er den Ursprung allen Lebens. In einer lang gesuchten „Formel“ reduziert Eder die menschliche Gestalt nun auf miteinander verbundene Ei- und Kugelformen. Seine „Plastik” schlechthin ist gefunden. Auch große, zu Stein gewordene Mutterfiguren stehen für seine Sehnsucht nach Ganzheit. Eders bildhauerisches Ziel sind Idole, die er wie die berühmten Stelen auf der Osterinsel in die Landschaft setzen will. Zu diesen Figuren gehört die vier Meter lange „Große Liegende – Der Hilflose“ aus Krastaler Marmor im Klingerpark Seeboden. Andere großen Plastiken des Künstlers finden sich in der Großfeldsiedlung in Wien, im Europapark Klagenfurt, in der Fußgängerzone Leoben, im Kurpark Oberlaa in Wien, im deutschen Freizeitpark Moers, im slowenischen Portorož und im schweizerischen Mollis. Seine „Große weibliche Figuration II“ steht in Bronze als Dauerleihgabe der Sammlung Haselsteiner auf dem „Prof. Otto-Eder-Platz“ vor dem Kulturhaus in Seeboden. Der Platz wurde dem Künstler anlässlich der Markterhebung Seebodens im Jahr 2000 gewidmet. Hat Eder sein plastisches Ideal realisiert, so widmet er sich in den letzten Jahren vermehrt dem „Verein Begegnung in Kärnten – Werkstätte im Krastal“, urspünglich als Bildhauersymposium von Karl Prantl gegründet. Eder schwebt ähnliches wie eine mittelalterliche Dombauhütte vor, ein Zentrum offen für verschiedene Künste und alle Künstler der Welt. Doch finanzielle und andere Probleme werden Eder zuviel. Ende Juli 1982 setzt er seinem Leben ein Ende. Die seelischen und körperlichen Verletzungen im Krieg, das Zerlegen seiner Figuren durch Wotruba, Eders Kompromisslosigkeit, Vereinsamung und gesundheitliche Probleme, abgelehnte Projekte, seine Sorgen im Krastal und neue, ihm fremde Tendenzen in der Kunst sind einige mögliche Ursachen für sein selbst gewähltes Ende. Sein Freitod ist wohl eine momentane, aber endgültige Verzweiflungstat. „Einsam war Dein Ende” heisst es in der Parte und im Nachruf einer Kärntner Zeitung, und: „Eder war einer, der viel gegeben, aber wenig bekam.“

Nachruhm
Eders Nachlass wird zunächst vom „Verein Begegnung in Kärnten“ im Krastal betreut, erforscht, ausgestellt und in einem ersten Katalog publiziert. 1991 hat die Galerie Altnöder in Salzburg den Nachlass samt Rechten von seiner Erbin erworben, Ferdinand Altnöder erbt das Urheberrecht. 1996 erscheint im Auftrag der Galerie Altnöder eine inzwischen vergriffene Biografie von Dr. Elisabeth Rath mit einem Werksverzeichnis, das 154 Bildhauerarbeiten und 14 Werke zur Kunst am Bau erfasst und sein Werk von vielen Seiten beleuchtet. Seit Eders Tod kommt es zu musealen Ausstellungen in Salzburg, Wien, Passau, Klagenfurt und Villach. Werke finden sich unter anderem im Museum Belvedere, im Museum Moderner Kunst Kärnten, im Museum der Moderne in Salzburg, im Wien Museum, im Museum Würth im deutschen Künzelsau, in den Sammlungen Leopold Haselsteiner und der Stiftung Liaunig. Sein Werk zeigten und vertreten die Galerien Altnöder in Salzburg, Magnet in Völkermarkt, Walker im Schloss Ebenau, Maier in Innsbruck, Chobot in Wien sowie Welz in Salzburg.

Ausstellung
Anlässlich der hundersten Wiederkehr seines Geburtstages widmet das Museum Liaunig in Neuhaus/Sula in Zusammenarbeit mit der Galerie Altnöder in Salzburg dem Künstler eine retrospektive Einzelausstellung vom 28. April bis 27. Oktober 2024. Geblieben sind von Otto Eder – mit seiner Erfindung der Dübelplastik und seinen Idolen – ein überzeugendes bildhauerisches Werk und zeitlos gültige Aussagen zur Darstellung des Menschen. Sein Werk räumt ihm in der österreichischen Bildhauerei einen wichtigen Rang ein. Dazu Kristian Sotriffer, einer der besten Kenner und ein wichtiger Kritiker in dieser Zeit: „Wenn man von diesem lockeren Wotrubakreis spricht, ist der Eder sicherlich einer der Interessantesten.“

Weitere Informationen unter: www.galerie-altnoeder.com/eder, mit Ausstellungsliste, Literatur und weiteren Texten

Für Rückfragen stehen Ihnen gerne zur Verfügung:

Ferdinand Altnöder
Salzburg
Tel.: +43 699 10469460
E-Mail: info@galerie-altnoeder.com